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Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Karpacz, am Fuß des Riesengebirges, noch im Sonnenschein, aber mit drohenden Unwetterwolken

Zimowy Ultramaraton Karkonoski - 9. März 2019

Oscypek kann man, den Zimowy Ultramaraton Karkonoski muss man haben! Ultralaufende Käsekenner finden vielleicht Geschmack an dem geräucherten polnischem Schafsmilchprodukt, ganz sicher aber Geschmack an dem Riesengebirgs-Winter-Ultramarathon. Ein „must have“ für jeden ambitionierten Trailrunner! Wie begehrt der Lauf ist, zeigt das nötige Losverfahren zur Ergatterung eines Startplatzes. Uns war Fortuna nicht hold, aber…. die Organisatoren wünschten sich mehr Internationalität und schwupp gelangten außer Thomas S., Thomas J. und mir auch noch einige andere Deutsche als Ausländer ins Starterkontingent. Fein! Die Planung konnte beginnen.

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Riesengebirgshelden :-)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Startnummernausgabe

Bilder vergangener Rennen zeugten von grandiosen 55 Kilometern mit +2.038 / -2.305 niederzuringenden Höhenmetern. Scheinbar immer in schönster, sonnenbeschienener Winterlandschaft…. Die Vorfreude, somit schönste Freude, bekam 14 Tage vor dem Wettkampf, beim Blick auf die Wettervorhersage, einen ersten Wirkungstreffer verpasst. Nass, kalt, windig… man kann auch Dreckswetter dazu sagen, zeigte jeder verfügbare meteorologische Onlinedienst an. Die Hoffnung auf Besserung schwand, je mehr sich Orkantief Dragi Mitteleuropa annäherte. Wohl den Frauen zu Liebe, zeigte sich der 8. März aber sonnig und recht warm bei unserer Anreise in Karpacz, zu Deutsch Krummhübel. Unser Verständnis, dass zur Mittagszeit eine Meldung zur Streckenänderung und –kürzung um 8 km angetickert kam, war demzufolge nicht sehr groß, somit Wirkungstreffer Nr. 2. 21.00 Uhr, es regnete nun ganz ordentlich, dann im Briefing die Information, dass wir nicht nur eine Stunde eher starten werden, schlimmer noch, dass unser Ultramarathon orkanwarnungsbedingt zum Halbmarathon mutieren wird. Wirkungstreffer Nr. 3 und lange Gesichter in breiter Runde…

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

morgendlich frisch aber halbwegs windgeschützt, am Start in Jakuszyce

9. März, 4.30 Uhr es regnete immer noch! Bevor wir den Bus nach Jakuszyce, dem Startort des Rennens besteigen durften, stand ein pingeliger Ausrüstungscheck an. Die Pflichtausrüstungsliste wurde am Vortag noch einmal ergänzt. Ein zweites Paar Handschuhe, Steigeisen / Grödel oder Laufschuhe mit Spikes und eine zusätzliche Bekleidungsschicht gehörten nun noch zum Equipment. Ebenso Stirnlampe und Rücklicht! In Anbetracht des nicht nachlassenden Regens zog ich mir gleich meine Regenhose über und nach Ankunft in Jakuszyce auch noch die Regenjacke. Nur die Daunenjacke blieb im Rucksack. Auf den vereisten Metern zur Startline kamen auch noch meine leichten Steigeisen an die Füße.

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Steigeisen an den Füßen... eine neue Lauf-Erfahrung (Foto Thomas Sacher)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

an guter Laune mangelt es nicht, mit den beiden Thomas' Minuten vor dem Start (Foto: Thomas Sacher)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Start - - - hinein ins Vergnügen (Foto: Piotrka Oleszaka)

Vom Start weg ließ es sich 1,8 km ganz ordentlich laufen, bevor der Weg eher Trailcharakter bekam. Gänsemarsch war angesagt und ein Überholen kaum möglich, da man unweigerlich durch die verharschte Schneedecke einbrach. Irgendwann hatte ich mich an dieses rumplige Geläuf gewöhnt und kam ganz gut voran. Nach 6,5 km war es wieder vorbei mit Trail und auf einem breiten Forstweg, nicht weniger vereist, begann der harte Aufstieg zur Hala Szrenicka auf 1.362 m. Kurz vor diesem einzigen Verpflegungspunkt der Strecke, nach 9,5 km verließen wir auch den vor dem Sturm schützenden Wald und fanden uns auf dem Gipfelgrat des Riesengebirges wieder, gleichzeitig der Grenzverlauf zwischen Polen und Tschechien. 1:35 Std. hatte ich bis hierher gebraucht und war schon ausgedörrt wie nach einem Wüstenrennen. Mein gut isoliertes Trinksystem hatte, wie schon gewohnt, den Dienst verweigert und über eine Enteisung brauchte ich mir hier oben jetzt auch keine Gedanken mehr zu machen. Also schnell zwei Becher Tee und eine Banane im VP geholt und dann rein ins kalte Vergnügen!

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

der stürmische Wind, mit Orkanböen durchsetzt, schlägt auf dem Gipfelgrat unbarmherzig zu (Foto: w obiektywie Bikelife)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

der Winter hat die Läufer in seinem eisigen Griff (Foto: w obiektywie Bikelife)

Der Sturm meinte es dahingehend gut, dass er schräg von hinten pustete. Auch in leichten Anstiegen konnte ich dadurch meinen Laufschritt meist beibehalten. Den Buff tief ins Gesicht, die Brille auf die Nasenspitze und die Kapuze weit nach unten gezogen bot sich ein passabler Sehschlitz, der mich das Blankeis von vom Schnee verwehten Passagen unterscheiden und vor allem die Wegstangen und Vorderleute erkennen ließ. Hinter meinem rechten Brillenglas sammelte sich der Schnee und gefror immer zu einem dicken Eisbrocken, den ich regelmäßig entfernen musste. Beim Blick in Gesichter von Vollbartträgern wusste ich aber, mit diesem Problem ganz gut bedient zu sein. Die bizarren Felsgestalten am Wegesrand, von denen es so einige auf dem Gratweg gibt, waren leider nur schemenhaft wahrzunehmen. Bei einer Sicht, manchmal weniger als 10 m auch kein Wunder. Vor dem höchsten Punkt der Strecke, dem Wieli Szyszak mit 1.509 m, führte der Weg ein ganzes Stück dem Wind direkt entgegen. Einzige Chance den waagerecht daherfliegenden nadelspitzen Schneekristallen zu entgehen, war rückwärts zu laufen. Einige Böen des Sturms warfen mich dabei fast zu Boden. 90 – 100 km/h war, wie später in Erfahrung gebracht wurde, die mittlere Windgeschwindigkeit hier oben. Die Böen hatten noch mal deutlich mehr Speed!

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

der Anstieg zum Wielii Szyszak, dem höchten Punkzt des Rennens (Foto: w obiektywie Bikelife)

Zimowy Ultramaraton Karkonoskie 2019

ich meione, das ist eine Aufnahme von mir (Foto: w obiektywie Bikelife)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Kampf mit der Urgewalt des Windes Foto: Karolina Krawzcyk)

Nach gut 19 km, an der Petrovka Bouda, irrte ich mit einer polnischen Läuferin im Whiteout herum und suchte nach Wegmarkierungen. Nach gefühlten Ewigkeiten fanden wir ein Flatterband und folgten dem Pfad, der nun etwas abfallend zur Spindlerova Bouda und weiter zum 500 m entfernten Ziel im Schronisko Odrodzenie führt. Tür auf, Ziellinie überquert und auf direktem Weg zum Buffett. Der Tee schmeckte nicht wirklich, aber er war warm und brachte meine Lebensgeister zurück. „Odrodzenie“ heißt übrigens Widergeburt! An der Sache war was dran! Trotz der Kälte war ich mangels Flüssigkeitszufuhr ziemlich dehydriert und zugegeben auch deutlich geschaffter, als es ein Halbmarathon erwarten lässt. Ich ließ mir noch einige Waffeln schmecken, bevor ich mich auf den Weg ins Tal machte. 5 km Downhill bis Przesieka. Hier wartete der Bus nach Karpacz. Auf halber Strecke dahin plötzlich strahlender Sonnenschein! Ich dachte ich spinne, drehte mich um und sah hoch oben am Grat den Sturm weiter peitschen… 

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

vorn rechts bin ich, wirklich! (Foto: w obiektywie Bikelife)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

zum Thema Eis hinter der Brille und Vollbartträger... (Foto: Slawek Nakoneczny Fotografia)

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Thomas begrub seine Ambitionen und half Oli über die letzten Kilometer des Rennens (Foto: Karolina Krawzcyk)

384 Starter hatte der Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019. 358 kamen ins Ziel. Mit Platz 258 war ich auf Grund der Bedingungen mehr als zufrieden. 3:25:54 Std. für (lt. meiner Technik) +1.412 / -1.060 Höhenmeter, verteilt auf 21,42 km, kann man schon mal gelten lassen oder, wie Thomas S. schrieb: „…my shortest „ultra race“ and hardest „half marathon“!

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Finish... und glücklich!

Die Siege gingen an Katarzyna Solińska in 2:25:41 Std. und Michal Rajca in 2:06:15 Std.. Weitere Informationen gibt es auf der Website und der Facebooksite der Veranstaltung.

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

...und wenn man schon in Karpacz ist, die Kirche Wang anzuschauen ist ein Muss (einzige Stabkirche ausßerhalb Skandinaviens

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

oben tobt der Sturm, in Karpacz grüßt die Sonne

Das Riesengebirge hatte uns wahrhaftig seine kalte Schulter gezeigt! Kein Grund nicht wiederzukommen! Ein Ultra hier, in sonnenbeschienener Winterlandschaft, steht in fest in meiner Bucket-List!

Zimowy Ultramaraton Karkonoski 2019

Herzlichen Dank an die Organisatoren und Fotografen dieses Events für die Zustimmung zur Nutzung der Fotos!  Dziękuję bardzo!