JUNUT Jurasteig Nonstop Ultratrail
...folge dieser Markierung für 170 oder 239 km!

JUNUT - Jurasteig-Nonstop-Ultratrail 07.-09.04.2017

Nach unseren Teilnahmen und Berichten zu den JUNUT's 2015 und 2016 wollte ich die 2017-er Auflage eigentlich nicht auf der Website verewigen. Alle Bilder schon gemacht, Alles schon beschrieben, nix Neues! Denkste! Auch 2017 war es ein grandioses Rennen, welches man nicht so einfach abhaken, einfach in die Schublade tun kann. Zu eindrücklich ist das Erlebte um es nicht öffentlich kund zu tun!

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Gute Laune vor dem Start mit Frank, Martin, Micha und Stephan.

Anders und irgendwie komisch war auf alle Fälle, dass Aldo und Wiese nicht dabei waren. Gute alte Bekannte traf man natürlich trotzdem, davon viele Wiederholungstäter, wie Martin und Frank, die vom Virus des Jurasteigs ebenfalls besessen sind. Martin war es auch, der mich nach Dietfurt lotste. Denn in Anbetracht meines 2017-er Restprogramms wollte ich ursprünglich nicht wirklich hier antreten. Mit der Aussicht auf "Fränkischen Hochmoorgeist" und der Teilnahme an der opulenten Pasta-Party im Gasthof "Stirzer" war ich dann aber schnell zu überzeugen gewesen, buchte allerdings nur die Bambini-Version, also die 170 km mit 5.400 Höhenmetern. 

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Ein Wiedersehen gab es auch mit Stefan, mit dem ich beim TDS 2015 einige gemeinsame Kilometer absolvierte.
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Andächtig vor dem Start mit Holger.

Ja, und dann war es wieder so weit! In morgendlicher Aprilkühle erfolgte im Zentrum Dietfurts der Start der "frühen" Gruppe, hinein ins Altmühltal, im stetigen Auf- und Ab. Schnell hatte ich meinen Rhythmus gefunden, fühlte mich sauwohl dabei und genoss die Landschaft in vollen Zügen, in der langsam hinter den Wolken hervorkommenden Sonne sogar mehr als in den Vorjahren.

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Der noch verwaiste Startplatz.
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Blick vom Roßkopf auf Altmühlmünster
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Mit Martina, Gaston und Martin auf dem Roßkopf

Die Zeit verging wie im Fluge. Mal in Grüppchen laufend und schwatzend, mal allein durchs Gelände und dem Vogelgezwitscher lauschend, waren die ersten reichlich 1.000 Höhenmeter auf 27 km bis Riedenburg schnell Geschichte. Kerstin wartete schon mit frischem Käsekuchen und Kaffee auf mich, was der Motivation gut tat und natürlich neue Kräfte weckte. Schnell ging es weiter, die nächsten 35 km gemeinsam mit Martina, der späteren Siegerin auf der Langdistanz und Gaston. Martin war uns am VP leider abhanden gekommen. Vielleicht ganz gut so, denn er hätte mir sonst wieder einen ollen Puhdys-Song als Ohrwurm eingepflanzt... ;-) 

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Riedenburg, Kaffee, Käsekuchen, Sonne.... Läuferherz, was willst du mehr?
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Trail-Impression

Das Naturwaldreservat "Klamm", mit seinen bissigen Anstiegen war bald passiert und auch der wadenunfreundliche Uphill zur Burg Prunn endete mit dem üblichen Fotoshooting. Die Forstwegautobahn nach Essing ist dann zwar nicht mehr wildromantisch, aber echt erholsam. 

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Martina & Gaston auf Burg Prunn und unter ihnen das Altmühltal

Auf der Essinger Brücke versorgte uns Kerstin mit Cola und Kaffee, bevor der lange Aufstieg zum Keltenwall uns wieder ordentlich forderte. Für Gaston und Martina war dieses Stück ein wenig Geographie-, Geologie- und Geschichtsunterricht, denn ich konnte mein Wissen zum fränkischen Jura und zu den Kelten zum Besten geben :-)

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Auf der zweitlängsten freitragenden Holzbrücke Europas bei Essing
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Burgruine Randeck über Essing

Damit war diese lange Etappe nach Kelheim gar nicht langweilig. Hoch über dem Donaudurchbruch konnten wir einen Blick auf das Kloster Weltenburg riskieren, um uns kurz darauf in den Downhill hinunter an die Donau zu stürzen. Mit der Befreiungshalle im Blick ging es weiter zum zweiten Verpflegungspunkt.

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Auf den Felsen gegenüber Kloster Weltenburg.
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Blick vom Kloster Weltenburg gen Donaudurchbruch (am Montag nach dem Rennen).
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Privatverpflegung in Kelheim.... Kuchengenuss kann keine Sünde sein ;-)

Eine Querung durch die Kelheimer Altstadt und schon waren wir wieder bestens versorgt. Der perfekt ausgestattete und liebevoll betreute VP gab so einige Leckereien her, aber das zweite von Kerstin bereitgestellte Kuchenpaket war das i-Tüpfelchen. Nach fast 51 km in den Knochen und dem längsten Teilstück vor der Brust, 27,8 km bis Matting, darf schon mal geschlemmt werden.    

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Von Höhe der Befreiungshalle ein Blick auf unseren Weg am (rechten) Donauufer (am Montag nach dem Rennen).
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ohne Worte

Mit vollem Bauch ging es zügig weiter. Der steile Kreuzweg hinter Kehlheim ließ uns ordentlich auf Betriebstemperatur kommen. Die folgende lange und eher flache Passage eines Buchenwaldes im Sonnenlicht des Spätnachmittags entschädigte uns für die erlittenen Strapazen mehr als reichlich. Bei so viel "in die Gegend schauen", dauerte es auch gar nicht lange, bis ich eine krachende Bauchlandung auf dem Waldweg hinlegte. Schwein gehabt, nix passiert! Nur etwas schmutzig geworden konzentrierte ich mich nun wieder mehr auf den Trail. Vor Poikam, nach reichlich 60 km, musste ich dann, auf Grund eines dringenden Abstechers in dichteren Wald, Martina und Gaston ziehen lassen. Wieder aufzuschließen ersparte ich mir, erstens um Kräfte zu sparen und zweitens um nicht zu früh in Matting anzukommen, denn das Übersetzen über die Donau, durch die örtliche Feuerwehr, war erst ab 21.00 Uhr möglich. Trotz nun vieler bewusster Wanderpassagen kam ich immer noch viel zu zeitig dort an. Im Nachhinein betrachtet, waren die 90 min Pause dort dann gar nicht mal so schlecht. 

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Matting ist zugleich Drop-Bag-Station.
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Nach 12 Stunden auf den Beinen schaue ich doch etwas zerknautscht drein.

Matting war auch die letzte Station des Tages, an dem mich Kerstin versorgte, bevor sie für die Nacht ins gemütliche Hotelbett in Dietfurt verschwand. Natürlich hatte sie noch Kuchen für mich, den ich diesmal verweigerte, denn ich konnte nichts Süßes mehr sehen, geschweige denn essen. Dafür genoss ich ein Stück Pizza Margaritha, dass zwar sehr gut schmeckte, mir aber schon bald nach dem Weiterlaufen schwer im Magen lag.
Das Übersetzen über die Donau war wieder ein Gaudi für sich. Wer schippert schon in stockdunkler Nacht im Feuerwehrboot über die Donau, um darauf im noch stockdunkleren Wald weiterzulaufen? Es ist eins der besonderen Erlebnisse, die den JUNUT so reizvoll machen!

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Die Trails führen durch herrliche Wälder.

Auf halbem Weg zum Naturfreundehaus in Schönhofen meldete sich mein Verdauungstrakt dermaßen aggressiv, dass ich mehr schleichend als laufend zum dortigen Versorgungspunkt quälen musste. Die Pause dort tat gut und auch die schöne warme Kartoffelsuppe beruhigte das Gedärm wieder. Dachte ich jedenfalls, denn kaum wieder unterwegs, fuhren meine Innereien Achterbahn. Aufgeben mitten in der Taiga, dazu noch mitten in der Nacht, war keine gute Option und so quälte ich mich durch bis nach Pielenhofen. Dort war dann wirklich alles aus mir raus was mal reingekommen ist und ich startete mit einem Gemüsesüppchen den Neuaufbau ;-)
Und das funktionierte! Wenige Kilometer weiter konnte ich wieder joggen und freute mich auf das Feuerwehrhaus in Dallackenried, wo ich vorhatte ein Stündchen zu schlafen. Dort angekommen, gab es erst mal wieder feste Nahrung, ich war ja auch völlig ausgehungert. Aus dem Schläfchen wurde aber nix, da alle Pritschen belegt waren. So war ich eher wieder auf dem Trail als gedacht und musste Kerstin mit einer SMS, zu meiner verfrühten Ankunft am nächsten Versorgungspunkt, eher aus den Federn jagen als gedacht.

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Kurz vor dem Versogungspunkt in Schmidmühlen.

Das Tageslicht ließ meine Müdigkeit bald verschwinden und gut gelaunt konnte mich Kerstin, die nur wenige Minuten vor mir vor Ort war, in Schmidmühlen, nach 138,5 km, wieder in Empfang nehmen. Erneut beste Versorgung! Eine Schale Gemüseeintopf früh um 9.00 Uhr weckt ungeahnte Kräfte. Eine Flasche alkoholfreies Bier dazu und schon konnte es weitergehen. Kaum aus dem Ort heraus, tropfte mir beim Gedanken an den Kartoffelbrei in Hohenburg schon wieder der Zahn. 12 km können sooooo lang sein! 

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Ein Blumenmeer am Wegesrand.
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Da ist er, der Kartoffelbrei....

Die schwierige Übung, kurz vor Hohenburg über die Leitplanke der Straße zu klettern, gelang mir besser, aber auch nicht schmerzfreier als in den Vorjahren. Der Gedanke an Bier, Kartoffelbrei, Kaffee und wieder Kartoffelbrei ließ mich jeden Schmerz ertragen. Kerstin versorgte mich noch mit frischen Sachen für das letzte Teilstück, denn es war nun ganz ordentlich warm geworden. 19 km nur noch bis ins Ziel in Kastl....

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Endlich Kastl in greifbarer Nähe.
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So sieht ein Kurzstrecken-Ziel aus.
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....geschafft, aber glücklich im Ziel.

Der Weg nach Kastl wollte kein Ende nehmen. Die Beine waren schwer, die Trails teils tricky, die Anstiege steil. Der letzte Kilometer Downhill, hinein ins Ziel, war trotzdem ein gelaufener Genuss. Dann erst mal hinsetzen! In Ruhe Essen und ein richtiges Bier trinken....   

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In Ruhe ein Bier, während Kerstin die Familie informiert, dass der Alte es geschafft hat ;-)

Nachdem ich wieder beieinander war, kutschierte mich Kerstin zurück nach Dietfurt. Ich meldete mich im Org-Büro, nahm das Finishershirt in Empfang und dann ging es endlich unter die Dusche. Schließlich sollte man zum abendlichen Umtrunk frisch erscheinen. Müdigkeit? Fehlanzeige! Der Abend mit Gleichgesinnten war wieder viele Biere und "Fränkische Hochmoorgeiste" lang....

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Am Sonntagmorgen hilft Kerstin beim Einrichten des Zielbereichs.
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Stephan, als letzter der "Brandenburger" kurz vor dem 239 km - Ziel.

Der Sonntag lockte uns mit strahlendem Sonnenschein. Nach dem Frühstück ging es gleich zum Ziel, die Finisher des 239-er Kantens zu begrüßen. Natürlich wurde auch über die abgelaufenen Kilometer gefachsimpelt, während die Retouren der Versorgungspunkte verwertet wurden, insbesondere die Biere. Mit Stephan konnten wir auch schon bald einen weiteren 239-km-Helden aus dem Brandenburgischen im Ziel begrüßen.

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Siegerehrung der 239 km - Damen.
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Martina, die stolze Siegerin auf den 239 km.

Im Gasthof "Stirzer" fand dann wie gewohnt am Nachmittag die Siegerehrung statt. Wer den Veranstalter Gerhard Börner kennt, weiß, dass dies recht emotional zugeht. Besonders freuten wir uns natürlich, dass Martina und Gaston gemeinsam auf Platz 12 ins Ziel kamen, was für Martina zugleich den Sieg in der Damenwertung bedeutete! Chapeau!

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ohne Worte

Das Rennen hatte über 170 km 50 Finisher, über 239 waren es nur 29! Die Siege gingen an:

239 km / 7.900 hm
Christoph Janthur und Georg Kunzfeld - 34:50 Std.
Martina Prüfer - 43:13 Std.

170 km / 5.400 hm
Tobias Krumm - 21:12 Std.
Kathrin Schichtl - 24:35 Std.

Ich selbst reihte mich auf Platz 18 in 30:53 Std. ein.

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Kerstin darf die Autofähre nach Weltenburg steuern.
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Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch
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In der Befreiungshalle von Kelheim.

Auch der schönste Wochenendausflug hat mal ein Ende. Am Montag, bei schönstem Sommerwetter besuchten wir noch Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch und besichtigten die Befreiungshalle hoch über Kelheim. Die Altstadt Kelheims machten wir auch noch ein wenig unsicher, bevor es wieder heimwärts ging. Die Gewissheit, im nächsten Jahr zur selben Zeit am selben Ort zu sein, fuhr mit uns mit..... 


Alle Infos zum Lauf unter www.junut.de

Fotos: K.+V. Roßberg, S. Alexi