Jizerský Ultratrail 2015
Blick auf Liberec und den Jěstěd (Jeschken) bei der Anfahrt nach Josefův Dul


Jizerský Ultratrail 2015 und 2016
 

18. Juli 2015

Ein Lauf im Isergebirge, warum nicht! Dachte ich mir jedenfalls, als Thomas von seinem Start dort im Jahr 2014 erzählte. Nur knappe drei Autostunden entfernt, eine ordentliche Organisation, tolle Trails und eine Unterkunft für einen schmalen Taler. Das kann man schon mal so mitnehmen! Als T-Rex Wiese die Idee Ende 2014 weiter strapazierte, lies ich mich nicht lange bitten. Die erste Herausforderung zum Jizerský Ultratrail bot dann schon mal die Online-Anmeldung, zumindest für mich, der des Tschechischen, mit Ausnahme des Begriffes "Pivo" (Bier), in keiner Weise mächtig ist. Die Website des Laufes ist wirklich recht übersichtlich und logisch, aber leider eben nur in der Landessprache verfügbar. Mit etwas Mühe klappte alles und ich fand mich zusammen mit Wiese, Aldo und Steffen schon bald in der Startliste wieder.
Das Isergebirge (Jizerské Hory) ist ein Teil der Sudeten und bildet praktisch die Verbindung zwischen dem Zittauer Gebirge und dem Riesengebirge. Iser, Queis und die Neiße entspringen hier. Der höchste Berg ist der Wysoka Kopa (Hinterberg), 1.126 m hoch und im polnischen Teil gelegen. Unser Lauf fand im tschechischen Bereich des Gebirges statt, genauer gesagt nordöstlich von Liberec (Reichenberg), der größten Stadt Nordböhmens (>100.000 Einwohner). Bedřichov (Friedrichswald), ein weithin bekannter 
Wintersportort lag auf der Laufstrecke, welche in Josefův Dul (Josefsthal) ihren Start- und Zielpunkt hatte.

Nach dem Lavaredo Ultra Trail war dann aber leider meine Lust zu diesem Lauf dahin. Motivationslos kann man dazu auch sagen! Unsere Übernachtung meldeten wir ab und planten für das Wochenende einfach nichts. Drei Tage vorher krabbelte es dann aber doch in den Füßen und letztendlich, am Vorabend des Laufs, als ich den startenden T-Rexen via Facebook alles Gute wünschte, wurde klar, dass auch ich am Start stehe. Die Sachen waren schnell gepackt, 2:15 Uhr klingelte der Wecker und um 5:45 Uhr betraten wir die Anmeldung in Josefův Dul.

Jizerský Ultratrail 2015
Posing vor dem Start
Jizerský Ultratrail 2015
GPS - Check
Jizerský Ultratrail 2015
das Start- und Zielareal, die Pension "Hájenka" in Josefův Dul

 

Unsere Sportsfreunde staunten nicht schlecht, als sie uns erblickten und das "Hallo" war groß. Viel Zeit zum Schwätzen war nicht und so gingen wir gemeinsam mit 275 Trailern ein Rennen an, bei welchem garantiert niemand frieren sollte.  
Vom Start weg liefen wir erst einmal einige km bergab, bevor vom Talgrund her der erste Berg über eine Skipiste zu bezwingen war. Hier zog sich das Feld dann auch schon ordentlich auseinander. Einige km weiter, wieder unten im Tal, eine Flußquerung als nächstes Highlight. Die Schuhe waren aber bei der schon jetzt brütenden Hitze schnell  wieder trocken und auch der nächste deftige Aufstieg, wieder über eine Skipiste, heizte ordentlich ein. Am VP 1, nach 15 km war Flüssigkeit nachzutanken schon mehr als erforderlich. In der Folge wieder ein Downhill bevor es danach endlos aufwärts nach Jizerka, dem VP 2 an km 25 ging. Wieder trinken... und weiter. Jetzt leider keine Trails mehr, welche auch Schatten bieten, sondern in praller Sonne über Beton- und Asphaltpisten zum VP 3 nach Na Knejpě. 37 km, mit 1.000 m der höchste Punkt des Laufes, gefühlte 40°C, der Trinkrucksack schon seit 3 km leer. Die Wanderer Kerstin, Almuth, Max und Mountainbiker Torschti (konnte verletzungsbedingt nicht starten) begrüßten mich hier und munterten mich auf. Trinken, trinken, trinken.... und lecker gefüllte Palatschinken dazu essen! Weiter in der Hitze und schon bald wieder in den Downhill. Einmal nicht aufgepasst... und eine volle Bauchlandung hingelegt. Beide Knie und ein Ellenbogen aufgeschlagen und dreckig wie ein Schw.... zum Glück ist gleich nebenan ein Bach zur Grobreinigung. VP 4, km 45 --- nein ich brauche keine Ambulanz, das sieht schlimmer aus, als es ist! Man lässt mich weiterziehen. Wieder hoch, aber durch in einem angenehm schattigen Wald. Der kalte Gebirgsbach kühlt die Luft zusätzlich. Hier hätte ich noch stundenlang aufsteigen können. Aber irgendwann ist man oben und mehr oder weniger hügelig geht es weiter nach Bedřichov. Der Wind kommt von vorn, leider fühlt es sich an, als ob man in ein Heißluftgebläse hineinläuft und meine Trinkblase ist schon wieder leer.  Endlich Bedřichov! Cola mit Eis und eine Dusche aus dem Gartenschlauch, was für ein Fest! Kein Fest der folgende Anstieg, wieder über eine Skipiste, ohne Baum und Strauch. Wenige km weiter danach endlich geniale Trails! Ein Gasthaus am Weg - ich kaufe mir ein eiskaltes alkoholfreies Bier, das gibt Power! Bald darauf eine Bachüberquerung, diesmal auf einem Baumstamm, mit gespanntem Drahtseil. 9:30 Stunden habe ich weg, 3 km sind es noch. Die 10 Stunden sollten doch zu unterbieten sein!

 

Sind sie nicht! Zuerst kommt eine abartig steile Skipiste, danach geht es nicht minder steil weglos durch den Wald aufwärts, bevor 500m vor dem Ziel ein abschüssiger Forstweg das Läuferleben wieder erleichtert. 
10:08:06 Stunden habe ich gebraucht, komme auf Platz 78 von 236 Finishern an. Nehme das beachtliche Finishergeschenk in Empfang, schlürfe zwei bleifreie Biere mit Kerstin und Torschti auf der Zielwiese und sitze kurz darauf im Auto heimwärts...
Steffen, Wiese und Aldo finishen wenig später. Glücklich, zufrieden und geschafft!

 

Der Jizerský Ultratrail ist eine echte Empfehlung wert! Landschaftlich extrem reizvoll - sofern man ein Auge dafür hat. Die Organisation im Allgemeinen ist gut und die Verpflegung perfekt und wo bekommt man schon für so eine eher kurze Distanz so ein schönes Jäckchen als Finisher? Die Streckenkennzeichnung ist ebenfalls gut. man muss aber schon hinschauen. Zwei Verhauer haben mir 1,5 km mehr auf dem Zähler gebracht, weil ich eben ohne zu schauen dem "Rudel" folgte. Was mir nicht so gefiel, war der recht hohe Anteil an Asphalt- und Betonpisten. Hier kann man aber sicher, wenn es denn nicht so warm ist, ordentlich powern...

 

16. Juli 2016

Wenn etwas Spaß gemacht hat, kommt man doch gern wieder! Mit den Anreisemodalitäten analog dem Vorjahr wieder pünktlich vor Ort eingetroffen, machten ich mich mit Wiese, Steffen, dem wieder laufenden Torschti und Isergebirgs-Neuling Ca Ro auf die Strecke. Bei besten Bedingungen, also trocken, Sonne und morgens 8°C starteten wir diesmal von der Talstation der Skipiste in Josefův Dul. Wem noch kalt war, der war dadurch schneller auf Betriebstemperatur als gedacht.

Nach ca. 12 km gab es erstaunlicherweise die erste Streckenänderung. Erstaunlich wohl nur für Läufer wie mich, die weder Tschechisch lesen noch verstehen können. Die coole Flußquerung fiel leider buchstäblich ins viele Wasser, dafür wurde eine Schleife durch den nächsten Ort gedreht. Danach ging es auf bekannten Wegen bis nach Jizerka. Tolle Trails, tolle und wilde Landschaft! Einzig, dass viele Wege, durch die Niederschläge der Vorwoche bedingt, auch als Bachlauf durchgehen würden, hemmte den Laufspaß ein wenig. Danach gab es dann wieder Streckenveränderungen zum Vorjahr. Über die Smědava ging es auf moddrigen Pfaden durch Hochmoorgebiete und auf bizzare Felsgestalten (Ořešník, dt. Nusstein), bevor der halsbrecherische Downhill nach Hejnice (dt. Haindorf, katholischer Wallfahrtsort mit imposanter Kirche) alles läuferische Geschick erforderte. Aber so soll dieser Sport ja sein! Anschließend wieder schier endlos aufwärts, über gruselige Felspisten wieder hinunter, nur um gleich darauf auf den Anstieg nach Hřebínek (dt. Kammel, bedeutende Kreuzung von Wanderwegen), den vorletzten VP, wieder hochzuschnaufen. Dann waren die Hauptschwierigkeiten geschafft und es ging nur noch ein wenig hügelig bis nach Bedřichov. Hier wurde noch einmal für die letzten gut 6 km ordentliche Stärkung, inklusive eines leckeren Bieres abgefasst, bevor ein bissiger Anstieg noch einmal den Saft aus den Beinen sog. Zum Finale dann noch ein grandioser Singletrail am Ufer der Kamenice (dt. Kamnitz), bevor der Zielbogen den Spaß ein Ende bereitete. Statt 69,7 waren es durch die Streckenänderung fast 75 km, gespickt mit 2.900 hm, aber jeder einzelne Meter war eigentlich ein Genuss!    

Zusammenfassend lässt sich auch 2016 nur Lobendes über diese Veranstaltung sagen. Bestens organisiert, mit einem umwerfenden Preis-Leistungs-Verhältnis!!! Das der Asphalt- und Schotteranteil zum Vorjahr deutlich gesenkt wurde, war ein weiteres Highlight. Alle Informationen zum Lauf gibt es unter: jizerskiultratrail.cz

2015: 68 km / 2.650 hm - - - 275 Starter / 236 Finisher
2016: 74,56 km / 2.900 hm - - - 287 Starter / 256 Finisher

zu den T-Rex-Ergebnissen 2015 / 2016

Jizerský Ultratrail 2016