JUNUT 2016
Blick über das Altmühltal nach Gundlfing


JUNUT - Jurasteig-Nonstop-Ultratrail 08.-10.04.2016

Rundwanderwege sind doch etwas Schönes. Start und Ziel an einer Stelle halten den logistischen Aufwand in Grenzen, aber auch nur dann, wenn man den Rundwanderweg nicht wandert, sondern nonstop abläuft. Coole Typen sind das, die auf solchen Rundwanderwegen dann noch einen Wettkampf veranstalten. Und noch cooler ist es, dass mehr als 100 Läufer der Einladung zu einem solchen Wettkampf folgen. Wenn dann der Rundwanderweg noch ein „Prädikats-Wanderweg“ ist, der eigentlich in 13 wildromantischen Etappen bewältigt werden sollte, erscheinen dem Außenstehenden doch so ein paar Fragezeichen vor dem geistigen Auge. Wie irre muss man sein, um auf dem „Jurasteig“ einen Nonstop-Lauf über 239 km und satte 7.900 Höhenmeter zu veranstalten und wie irre muss man erst sein, um sich nach erfolgreicher Bewerbung um Aufnahme in das limitierte Teilnehmerkontingent hier am Start aufzustellen? Für den Normalbürger hat das eher den Anschein, die geschlossene Psychiatrie macht Ausflug….

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Staraufstellung mit Wiese und Aldo (der schon die Augen schließt)


Schon 2015 war ich der Faszination des „JUNUT“, des Jurasteig-Nonstop-Ultratrail erlegen. Gemeinsam mit Aldo stand ich damals am Start für die Kurzversion, für die 170 km-Strecke. Während ich glücklich finishte, musste Aldo der ungewöhnlich großen April-Wärme Tribut zollen und das Rennen bei km 78,5 aufgeben.  Grund also 2016 zurückzukehren. Für Aldo, um das Begonnene zu vollenden, für mich, um jetzt die vollständige Runde zu schaffen. Mit dabei noch Wiese, der sich von unseren Erzählungen begeistern ließ und kurzerhand für die 239 km gemeldet hatte. Dabei natürlich auch unsere bewährte Crew, Kerstin und Almuth, verstärkt durch Diana. Ohne Crew, das gilt auch trotz der selten guten Betreuung und Verpflegung vom Veranstalter, ist so ein Rennen nur schwer oder gar nicht durchzustehen!

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Aufmunterung am Teufelsfelsen-Aufstieg

Wildentschlossen standen wir somit am Morgen des 8. April auf dem Marktplatz des idyllischen Dietfurt a.d. Altmühl und warteten auf den Startschuss von Veranstalter Gerhard Börner. Bei ordentlichen Bedingungen, nicht zu warm, nicht zu kalt und vor allem trocken warteten bis zum ersten Verpflegungspunkt in Riedenburg nicht nur 26,6 km, sondern auch gleich mal 1.014 hm auf die Läuferhorde. Mit frischen Beinen kein Problem, nur der lange Anstieg zum Drachenfels lässt uns dann schon mal schwerer atmen. Dankenswerterweise fällt Martin, meinem Begleiter auf dem ersten Teilstück und somit ebendiesem Aufstieg der alte Puhdys-Song „Geh zu Ihr“ (….und lass deinen Drachen steigen…) ein, ein Ohrwurm für mich, der mich bis spät in die Nacht verfolgen wird.

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ein Roßberg auf dem Roßkopf


In Riedenburg funktioniert mein Betriebssystem dann endlich völlig reibungslos, nachdem ich die zu vielen „Hochmoorgeiste“ und Biere des Vorabends ausgeschwitzt hatte. Auch der Hunger, den ich zum Frühstück nicht hatte, ist jetzt da. Zum Glück hat Kerstin vorgesorgt und ein ordentliches Stück Käsekuchen mit einer Mohnschnecke als Nachtisch verschwinden in mir, bevor es weiter Richtung Kelheim geht. 24,1 km und 869 hm, welche sich erstaunlich gut laufen lassen. Die landschaftlichen Reize sind enorm. Die bizarren Felswelten des Naturwaldreservates „Klamm“ , die Burg Prunn, die zweitlängste Holzbrücke Europas bei Essing, der Keltenwall, der Donaudurchbruch bei Weltenburg…. Auf der Holzbrücke treffe ich zu meinem Erstaunen auf unsere drei Damen. Eine gute Gelegenheit schnell etwas Cola nachzutanken bevor der Keltenwall zu absolvieren ist. Nach einem Blick, quasi aus der Vogelperspektive auf das Kloster Weltenburg, geht es schon bald darauf im Downhill  zur Donau hinab und an ihrem Ufer nach Kelheim. 50,7km sind im Kasten und ich fühle mich sauwohl, nicht nur wegen des Käsekuchens.

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gern gesehene Wegelagerer auf der Holzbrücke bei Essing


Der VP3 wartet in Matting. 27,8 km entfernt. Ich habe massig Zeit für dieses Stück, denn die Fähre dort,  über die Donau, geht erst ab 21.00 Uhr. So spare ich Kraft und wandere große Teile des Weges. In Bad Abbach verpenne ich eine Ausschilderung und finde mich mitten im Kurpark wieder. Toll! Erstmalig krame ich das Navi raus und kämpfe mich zurück auf den rechten Weg. 500 m mehr habe ich dadurch auf dem Zähler, komme aber um 19:45 Uhr in Matting an und damit immer noch viel zu zeitig. So kann ich aber in aller Ruhe essen, Sachen wechseln, mit meinen Mitstreitern fachsimpeln und werde kurz nach 21.00 Uhr von Kerstin in die Fähre der Feuerwehr verabschiedet.

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Während Kerstin den Weg in Richtung Hotelbett nimmt, schalte ich die Stirnlampe ein und laufe durch die zusehends kalt werdende Nacht. 10 km und nur 490 hm sind es bis nach Schönhofen ins Naturfreundehaus. Der Weg dorthin führt auch über den „Alpinen Steig“, sicher ein landschaftliches Highlight, von dem ich im Dunkel der mondlosen Nacht nicht viel mitbekomme. Bald schon stehe ich im VP4. „Happy Hour, mitten in der Nacht….“ Fällt mir beim Eintreten ins Naturfreundehaus ein. Die Puhdys bin ich jetzt los und Herr Gabalier fortan mein neuer Begleiter. „Hulapalu“! Ich fülle meine Speicher ordentlich auf und bin bald schon auf dem Weg nach Pielenhofen. Nicht unbedingt einfach die Wegfindung, aber gut zu laufen. Einen Blick in die Räuberhöhle bei Etterzhausen gestatte ich mir, aber die Bewohner, zahllose Fledermäuse, sind gerade außer Haus. Dann endlich Pielenhofen. 103,7 km sind geschafft und in der Klosterwirtschaft gibt es ein warmes Süppchen. Man tut das gut, ein Bierchen dazu, 5 min auf einer Bank ausgestreckt und schon hat mich die Nacht wieder. 12,9 km und nur 345 hm bis zum VP6 in Dallackenried ziehen sich gefühlte Ewigkeiten hin. Es ist auch ordentlich kalt geworden. Handschuhe sind schon von Nöten. Im Feuerwehrhaus hoffe ich mich auf einem Feldbett ein wenig hinlegen zu können. Natürlich ist alles besetzt als ich dort eintreffe. Ich strecke mich auf einer Bank aus, über den Einsatzstiefeln und unter den Einsatzuniformen der Feuerwehrleute. Der Geruch dort ist recht eigenwillig und ich atme auf, als ein Bett frei wird. Gut eine Stunde mache ich die Augen zu, allerdings ohne wirklich zu schlafen. Als ich wieder vor der Tür bin sehe ich Almuths Auto. Sie schläft, sicher noch weniger komfortabel und noch weniger warm, während sie auf Aldo wartet.
 

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am Buffet in Schmidmühlen


Fröstelnd komme auch ich wieder in den Laufschritt, 21,9 km bis Schmidmühlen sind niederzuringen. Zum Glück wird es langsam hell, was auch der guten Laune förderlich ist. Ab Traidendorf im Tal der Vils laufe ich gemeinsam mit Dennis. So ist die Tour nicht so einsam, zugleich ist er aber auch keine Quasselstrippe, vor der man wegrennen muss. Das Ganze hat natürlich auch Vorteile bei der Wegfindung! Gegen 9.00 Uhr sind wir am VP7 bei km 138,5. Es gibt warmen Eintopf und leckere Würstchen. Auf Kerstins Käsekuchen habe ich gerade keinen Appetit. Endlich kann ich auch die Sachen wechseln. Die getragenen Socken werden danach vakuumverpackt, der Gestank ist umwerfend.  Dennis will noch duschen, das bringe ich nicht übers Herz und mache mich allein auf den Weg nach Hohenburg. 12,5 km und 425 hm trennen mich von leckeren, warmen Kartoffelbrei, den es hier im Vorjahr gab und der  hoffentlich auch 2016 auf der Speisekarte steht. Kurz vor dem VP muss die Leitplanke der Straße überklettert werden. Eigentlich eine lächerliche Turnübung, nach 151 km in den Knochen aber eine kleine Schweinerei. Ich habe das Gefühl mir den Hintern auseinander zu reißen, komme aber letztendlich heil beim Kartoffelbrei an. Zwei Portionen verdrücke ich, dazu ein Bierchen (bleifrei natürlich) und weiter geht es. Gemeinsam mit  Dennis, der wieder auf mich aufgelaufen ist. 19 km sind es bis Kastl, dem Ziel der 170 km-Strecke. Die haben es ordentlich in sich. Zwischendurch werden wir von einer anderen Crew mit einem blauen „Erdinger“ versorgt, zusätzlich zur Anfeuerung „ihr seht nicht mehr gut aus, aber ihr schafft das“! Und ob wir das schaffen! Auf den letzten Kilometern hinauf auf den Rechenfels, da schreien dann Waden und Oberschenkel förmlich! Der Ausblick von der Höhe ist nicht übel, aber zum Verweilen haben wir keine Zeit. Um 16.00 Uhr posen wir vor Kerstins Kamera am VP und fräsen uns anschließend durch das gut bestückte Buffet.
 

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Ausblick vom Rechenfels

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in, oder besser auf Habsberg

Eine lange Pause gönnen wir uns nicht. Habsberg und die gefürchtete Treppe wollen wir bei Tageslicht erleben. Nach etwas schwer durchschaubarer Wegführung stehen wir vor besagter Treppe. Ich frage mich, wie alte Leute, auf dem Weg zur Kirche sich hier wohl hochschleppen mögen. Es ist definitiv keine Wohltat für die Knie, aber wir erreichen die üppig gedeckte Tafel am VP10. Wieder in den warmen Sachen für die Nacht verpackt geht es weiter nach Deining. Kerstin bewegt sich wieder Richtung Hotelbett während Dennis und ich uns im letzten Licht des Tages über Felder und durch Wälder an den Dörfern Unter- und Oberwiesenacker vorbeikämpfen. Immer den Blick auf das Navi, denn der Weg ist nicht nur spärlich markiert, er erscheint uns auch unlogisch. Nach Rothenfels dann der Kracher. Durch Modder, Unterholz, losen Sand und über nasse Wiesen führt uns der Track. Wir haben das Gefühl uns im Kreis zu drehen. Wer denkt sich so was aus. Ich fluche innerlich. Ewigkeiten später erreichen wir bei Arzthofen die Weiße Laber. Dennis meint er war schon mal an dieser Stelle. Ich sehe aber eine Markierung leuchten und damit den Weiterweg. Am Flussufer entlang kommen wir nach Deining. Das Sportlerheim ist in Sicht. 202,3 km sind geschafft, die Füße sind nass vom Gras, wir haben Hunger und sind müde. Ein Teller Makkaroni und dann auf einer Holzbank ausstrecken können ist wie ein Einzug in ein Luxushotel für uns. Wir bekommen sogar Decken zum einkuscheln. Kaum liege ich, steigt ein unsäglicher Gestank in meine Nase. Der Grund ist schnell gefunden. Meine Schuhe stehen direkt unter mir. Noch mal hoch, die Teile in sichere Entfernung gebracht und dann die Augen zu… Schlafen ist das wieder nicht. Zu viel Adrenalin in uns und zu viel Unruhe im Raum! Eine Stunde wirkt aber Wunder und wir machen uns auf die vorletzte Etappe nach Holnstein. Wieder 21,1 km und noch mal 582 Höhenmeter. Ein Verlaufer ist auch wieder dabei. Weitere 500 m mehr auf dem Zählwerk! Im ersten Licht des Tages können wir Holnstein sehen, aber der Weg ist noch weit. Dann endlich, die Hauptstraße überqueren und hinauf zur Felsenschenke.

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in Holnstein bei den "Wölfen"
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auf der Zielline, der Schwelle des Org-Büros


Die „Wölfe“ kochen guten Kaffee! Ich bin wieder putzmunter, nachdem ich vorher gelaufen bin, als hätte ich 5 Bier auf dem Kessel. Dennis ist auch von seinem stetigen Sekundenschlaf geheilt. Also raus zur letzten Etappe. 15,6 km trennen uns vom Ziel. In ausgeruhtem Zustand eine Sache von einer reichlichen Stunde. Heute sind wir fast 4 Stunden unterwegs. An Rennen ist nicht mehr zu denken. Alles tut weh. Nennen wir es mal Speedhiking! Dann sehen wir den Kirchturm von Dietfurt. Wir können es schaffen unter 50 Stunden zu kommen. Die Stimmung steigt!
Dann ein Schild! „I know you will hate me for that. But if you had thought you will reach Dietfurt within 5 minutes you are definitely wrong!” Der Pfeil zeigt nach rechts, der Weg führt aufwärts. Die Stimmung sinkt! Aber egal, auch das geht vorbei. Kurz vor dem Ziel begrüßen uns Kerstin, Almuth, Diana und die glücklichen 170 km-Finisher Aldo und Wiese.  Und dann… die letzten 150 m rennen wir wieder! Geschafft! Es ist vollbracht. Von Margot Börner folgt die Finisher-Umarmung, von Gerhard Börner die Finisherjacke! Gänsehautfeeling!  …und dann ein richtiges Bier! Und noch eins…., bevor es ins Hotel, unter die Dusche und für eine Stunde ins Bett geht! Und diese Stunde schlafe ich wirklich.

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300 m vor dem Ziel

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Der Gang zur Siegerehrung ist recht anstrengend! Die Beine schmerzen schon sehr doch die Füße sind blasenfrei, dafür ein wenig geschwollen. Aber wir sind stolz diesen Rundwanderweg bezwungen zu haben!

Die Siege gingen an:

239 km / 7.900 hm (31 Finisher)
Tobias Krumm und Georg Kunzfeld                    35:12 Std.
Nicole Kresse                                                   40:55 Std.
Dennis und ich auf Platz 16                               50:04 Std.  

170 km / 5.900 hm (55 Finisher)
Gregor Endl                                                     23:20 Std.
Ursula Kaufmann                                             32:05 Std.
Aldo und Wiese auf Platz 39                              36:29 Std.
 

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Tobias und Georg die Sieger über 239 km nehmen Margot und Gerhard Börner in die Mitte

 

Damit bleibt dann nur noch „Danke“ zu sagen. Danke an unsere Crew und vor allem an Kerstin für die Top-Betreuung. Danke an Dennis für die vielen gemeinsamen durchkämpften, teils sauschweren Kilometer.  Danke an Gerhard Börner und sein gesamtes Team für eine feine, top-organisierte Veranstaltung die ihresgleichen sucht. Danke an alle die uns mit ihren Worten an und auf der Strecke aufgemuntert haben. Danke an alle Facebook-Mitfieberer und -Daumendrücker und Danke an Martin mit den Puhdys und natürlich an Andreas Gabalier… Hulapalu! Wir kommen bestimmt mal wieder!


Karte: Jurasteig, Nr. 527 www.publicpress.de

alle Infos zum Lauf unter www.junut.de

Hier geht es zu "Aldos Sicht der Dinge"!

Einen verwertbaren Track zum Lauf kann ich leider nicht anbieten. Mit meiner GPS-Uhr habe ich es erst gar nicht versucht, die hält maximal 12 Stunden durch und mein Garmin etrex verträgt einen doppelten Datumswechsel nicht, also es werden nur 2 Tage aufgezeichnet, der Rest abgeschnitten. So beginnt die Aufzeichnung am 9. April 0.00 Uhr kurz vor Pielenhofen... Man lernt nie aus! Aber auf der Website des Laufes gibt es einen exzellenten Link zur Streckenführung (GPSies).

Fotos stammen von Kerstin & Volker Roßberg, Aldo Bergmann, Almuth Dictus und Martin Woitynek
 

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Regenerations-Menü am Tag danach, in der Sonne vor dem Regensburger Dom